Drucktechnik, News
Endfertigung aus einer Hand
Beim Thema Weiterverarbeitung vertraut ROCO Druck aus Wolfenbüttel heute auf eine enge Partnerschaft mit FKS aus Hamburg, die noch gar nicht so lange währt. „Erste Kontakte gab es 2018“, erinnert sich Nael El Nahawi, Geschäftsführer des niedersächsischen Druckhauses, „2020 ist dann ein Multifinisher bei uns eingezogen und seither arbeiten wir eng mit FKS zusammen.“
Tradition trifft Innovation, so lautet das Credo der Druckerei, die auf eine Geschichte zurückblicken kann, die bis ins Jahr 1886 reicht. „1999 habe ich das Unternehmen mit einem Partner gekauft“, erinnert sich Nael El Nahawi an seine ganz persönlichen Anfänge in Wolfenbüttel.
Flexibler Technik-Mix
Während ROCO als Full-Service-Druckerei breit aufgestellt ist, stellt das Herzstück des Angebotsportfolios die Herstellung hochwertiger Bücher dar. „In diesem Metier decken wir die gesamte Bandbreite ab, vom privaten Einzelstück bis zur mittleren Verlagsauflage.“ Die Produktpalette reicht von edlen Hardcovern und flexiblen Softcovern über aufwendig gestaltete Kunstkataloge und Romane bis zu Dissertationen oder Abibüchern. Möglich wird diese Vielfalt durch einen flexiblen Technik-Mix aus Offsetdruck und High-End-Digitaldruck.
Besonderen Wert legt ROCO auf Haptik und Veredelung: Prägungen, Lackierungen, hochwertige Papiersorten und verschiedene Bindearten, von der langlebigen Fadenheftung bis zur klassischen Klebebindung, geben jedem Buchprojekt seinen individuellen Charakter. „Unsere Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, von Verlagen und Industriekunden über Museen und Kirchen, Privatpersonen bis hin zu kommunalen und öffentlichen Einrichtungen.“ Die Auflagen starten dank Digitaldruck bei eins und gehen bis 500, aber auch 1000. Das Gros der Kunden stammt aus der Region. Nael El Nahawi hat mit Blick auf die sich verändernden Marktbedingungen stets darauf gesetzt, den Maschinenpark so aufzustellen, dass nach Möglichkeit alle Kundenwünsche direkt im Haus erledigt werden können.
Multifinisher, Kaschierer, Klebebinder
So kam es zum Kontakt mit FKS und dem Einzug des Multifinishers FKS/Multigraf Touchline CP375 Duo mit Falzwerk TF375 2020. Persönlich lernten sich Nael El Nahawi und FKS-Gebietsverkaufsleiter Heiko Wolter allerdings erst 2024 auf der Drupa kennen, „da ging es ums Thema Kaschieren.“ „Wir haben uns dann nach der Messe ganz entspannt zu einem Test in Hamburg getroffen“, so Heiko Wolter. Das Testobjekt: die Kaschiermaschine FKS/Komfi Amiga 52, die prompt eine Heimat in Wolfenbüttel fand.
In Hamburg unterhielten sich die beiden auch über das Thema Klebebindung, das jedoch noch nicht konkret auf der Agenda stand. Doch manchmal spielt der Zufall eine Rolle, denn, so Heiko Wolter: „Wir bekamen einige Wochen später eine FKS/C.P. Bourg BB3002 EVA mit dem Dreiseitenschneider FKS/Challenge CMT-330 angeboten, ein Gebrauchtmodell zur Weiterverarbeitung.“ Obwohl der Begriff „gebraucht“ als eine Übertreibung verstanden werden muss: „Tatsächlich stand der Klebebinder in der Hausdruckerei eines großen Industriekonzerns und ist dort de facto nie genutzt worden.“
Ein Anruf in Wolfenbüttel weckte Interesse, denn die Konfiguration macht den Unterschied: Der Dreiseitenschneider FKS/Challenge CMT-330 schließt
genau die Lücke, an der viele Klebebindeprozesse ins Stocken geraten: den abschließenden, oft manuell organisierten Beschnitt. In Kombination mit dem FKS/C.P. Bourg BB3002 EVA entsteht ein durchgängiger Workflow, bei dem der CMT-330 den Drei-Seiten-Schnitt direkt im Anschluss übernimmt, ohne Umstapeln, ohne zusätzliche Rüstzeiten und ohne das Risiko, frisch gebundene Blöcke beim Transport zu beschädigen. Seine Stärke liegt in der Einzelbuchverarbeitung. Der Dreiseitenschneider misst jedes Buch automatisch ein, passt Format und Dicke selbstständig an und arbeitet damit exakt so, wie es digitale Produktionen heute verlangen: variabel, ohne Anlaufmakulatur und ohne Stillstände. „Wir setzen sie bei Auflagen bis etwa 100 Stück ein und das rechnet sich sehr gut.“
OTF-Option
Einige Monate vor dem Klebebinder zog die Kaschiermaschine FKS/Komfi Amiga 52 ein. Neben der Folienkaschierung (matt, glänzend oder kratzfest) beherrscht die Maschine in Wolfenbüttel mit ihrer OTF-Option auch die Übertragung metallisierter Folien wie Gold oder Silber direkt auf den Toner. Damit lassen sich bereits digital gedruckte Motive punktgenau veredeln, ohne zusätzliche Werkzeuge oder lange Rüstzeiten. „Dies sieht klasse aus“, weiß Nael El Nahawi, „und das wird auch wirklich sehr gut von den Kunden angenommen.“ Gerade für kleine Auflagen oder individualisierte Produktionen eröffnet die Amiga 52 damit einen schnellen, wirtschaftlichen Weg zu hochwertigen, haptisch wirkungsvollen Druckprodukten, und das von Bucheinbänden bis zu Verpackungen.
Bleibt noch der Multifinisher, mit dem die Partnerschaft begann: Die FKS/Multigraf Touchline CP375 Duo schneidet, rillt, perforiert, was nicht überrascht, er ist ja ein Finisher. In Wolfenbüttel aber ist er um das Falzwerk TF375 erweitert, das präzise Falzungen auch bei kleineren Auflagen und, wie Nael El Nahawi betont, variablen Formaten ermöglicht. „Damit haben wir unsere Produktpalette massiv erweitern können, gerade ungewöhnliche Formate ziehen schließlich Blicke auf sich.“