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ROCO Druck: Vom Sanierungsfall zur erfolgreichen Firma

Das auffällige Gebäude am Neuen Weg in Wolfenbüttel kennen viele. Doch wer steckt hinter ROCO? Ein Bericht von Claudia Bartels, Braunschweiger Zeitung.

Fährt man auf der Bundesstraße 79 hinein nach Wolfenbüttel, am Sternhaus vorbei, hält man meist an der roten Ampel an der Kreuzung Neuer Weg/Forstweg. Der Blick schweift rechts zum Niedersächsischen Forstamt und links zu einem Gebäude, in dessen Souterrain sich ein Fitnessstudio und im Obergeschoss ein Pflegedienst befindet. Direkt daneben steht ein schwarzgraues Gebäude mit der auffallenden Aufschrift „ROCO“. Wir wollen wissen, was dieses Unternehmen genau macht.

Das Unternehmen ROCO Druck befindet sich seit 1964 am Neuen Weg und bedruckt auf einer Produktionsfläche von rund 800 Quadratmetern unter anderem Tapeten, Tische, Möbel, Bierdeckel und Schallschutzwände. Auch Bücher und Hefte gehören zum Druckangebot. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus der Industrie und dem Einzelhandel, aber auch Vereine, Agenturen, Museen und Kleingewerbetreibende.

60 Prozent der Kunden kämen nicht aus der Region. Doch es würden immer mehr regionale Kunden bei ihnen anfragen. „Unser Hauptprodukt sind Bücher“, sagt Geschäftsführer El Nahawi. Zu den ungewöhnlichen Produkten, die das Unternehmen bisher bedruckt hat, zählen ein mobiler Schrank für eine Messe sowie Gardinen und Vorhänge für die Samsonschule in Wolfenbüttel. Nael El Nahawi und Anja Behne haben die Geschäftsführung bei ROCO Druck inne. Sie sind ein eingespieltes Team. Er ist 55 Jahre alt und seit 1999 im Unternehmen. Sie ist 39 Jahre alt und seit 2007 Teil des Teams, seitdem sie ihre Ausbildung zur Mediengestalterin im Unternehmen absolviert hat. „In der Schnittmenge ist unsere Zusammenarbeit sehr inspirierend“, sagt Behne. „Wir führen immer ergebnisorientierte Diskussionen“, ergänzt El Nahawi.

Zwölf Mitarbeitende hat das Unternehmen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,5 Millionen Euro. Jedes zweite Jahr bildet das Unternehmen zum Medientechnologen Druck aus. Als El Nahawi 1999 als Geschäftsführer einstieg, war die Firma ein Sanierungsfall, wie er sagt. Die bisherigen Inhaber, die Familie Rock, hatten sich aus Altersgründen zurückgezogen. Gemeinsam mit einem Kommilitonen hatte El Nahawi die Firma gekauft. „Ich wollte wieder zurück nach Norddeutschland“, erklärt er diesen Schritt. Er ist in Hildesheim aufgewachsen und hatte zunächst eine Lehre als Schriftsetzer absolviert und war dann zum Studieren nach München gegangen. „2004 haben wir die komplette Technik umgestellt“, erzählt er. „2009 haben wir in den Digitaldruck investiert, um große Formate, wie Tische, bedrucken zu können.“ Und 2024 hat ROCO Druck damit begonnen, sich autark zu machen. Maschinen und Arbeitsplätze wurden so umgestaltet, dass die Arbeit abwechslungsreicher ist. „Unser Unternehmen soll einen Manufaktur-Charakter bekommen“, sagt Behne.

Dank ihres breiten Angebots seien sie gut durch die Coronazeit gekommen. In der Coronazeit haben sie von einem Zweischichtauf ein Einschichtmodell umgestellt. Auch flexible Arbeitszeitmodelle wurden eingeführt. Wachstum definiert das Führungsduo als Stärke im Markt, nicht als Größe eines Unternehmens. Vergrößern um jeden Preis? Darauf zielen sie nicht ab.

Das Gefühl für die Wertigkeit von Papier sei gestiegen, sagt Behne. Kunden würden dem Online-Geschäft zunehmend den Rücken kehren und wieder mehr Wert aufpersönliche Beratung und Betreuung legen.

Die Papierpreise hängen stark von den Sorten (Offset-Druckpapier, Verpackungspapier, Wellpappe, Zeitungspapier, Recyclingpapier) und der Region ab. Die Preise werden üblicherweise in Euro pro Tonne angegeben. Den Papierpreis von derzeit etwa 800 bis 2000 Euro pro Tonne, je nach Sorte und Qualität, findet El Nahawi zu niedrig. „Er sollte höher sein, Papier sollte kein Wegwerfprodukt sein“, ergänzt Behne.

Die beiden Geschäftsführer fühlen sich mit ihrem Geschäftsmodel in einem schrumpfenden Markt gut für die Zukunft aufgestellt. Immer mehr Druckereien schließen. Die deutsche Druckindustrie verzeichnet laut Statista einen Rückgang von Druckereien deutschlandweit auf derzeit noch rund 6.500 Betriebe, mit mehr als 220.000 Beschäftigten noch im Jahr 2001 auf etwa 110.000 im Jahr 2022.

„Die gesamtwirtschaftliche Lage stagniert – das bekommen auch wir zu spüren, die Kunde sind zurückhaltender“, sagt El Nahawi. Das Ziel des Unternehmens laut El Nahawi: „Noch autarker werden und möglichst viel selbst machen.“ Sie wollen in eine Maschine investieren, die Kalender mit einer Ringbindung drucken kann, einen Klebebinder und eine Kaschieranlage. Mit der können Materialien wie Papier, Folien, Textilien und Holz dauerhaft durch Klebstoffe, Druck oder Hitze miteinander verbunden werden, um sie zu veredeln oder zu schützen. Warum Druck immer noch relevant ist? „Druck wird es immer geben. Viele wissen gar nicht, was alles bedruckt ist: Schilder, Aufkleber, Kleidung, Tassen, Gardinen, Deko. Druckereien machen die Welt bunt“, sagt El Nahawi.